Kulinarische Reise durch Deutschlands Weinregionen - 5 interessante Tipps

Reisen und genießen - das geht auch in Deutschland!

My own Travel Deutschland Weinregionen Quadrat mit 8 Bildern

Corona schleift uns gerade allen so ziemlich die Kanten ab. Egal, ob Alltag, Beruf oder Freizeit. Wunsch und Wirklichkeit klaffen bei vielen so weit auseinander wie Nord- und Südkante des Grand Canyon. Und klar – auch beim Reisen!

 

Letztes Jahr haben wir gelernt: Reisen innerhalb von Deutschland ging ganz gut. Und, für viele überraschend, ist Deutschland sogar ziemlich spannend! Der Vorteil: Ihr könnt eure Sachen in euer eigenes Auto packen und von der Haustüre aus losdüsen. In vertrauter Umgebung der eigenen vier Reifen sozusagen.

 

Wir haben mal eine Reise zusammengestellt, in der Ihr innerhalb von 11 Tagen eine schöne Runde quer durch Rhein, Mosel, Saar, die Pfalz und Baden drehen könnt.

 

Die schönsten Weinregionen? Gibt's da nicht noch die Ahr, Franken,... Ja, ja, wer mehr Zeit hat, darf gerne einen Abstecher in die benachbarten Regionen unternehmen. Da sind wir gar nicht so. Mit dem Aufkleber "schönste Weinregionen" haben wir uns natürlich  ein bisschen aus dem Fenster gelehnt - klar. Denn das ist bekanntlich Geschmackssache. Beim Wein und bei der Landschaft, und, und, und, ...

 

Nehmt unsere Reiseidee für eine Rundreise durch Deutschlands Weinregionen einfach mal als Inspiration!

Ich habe 5 Tipps für euch rausgepickt, warum sich eine Reise durch Deutschlands Weinregionen lohnt:

1. Exklusives Schlosshotel an der Mosel

Schloss Lieser - Foto: My own Travel
Schloss Lieser

Für mich gehört zu einer Genusstour ein ansprechendes Ambiente. Und das findet ihr auf jeden Fall im Schloss Lieser.

 

Wir machen euch ja ganz gerne mal den Mund wässrig mit herrlichen Schlosshotels in Frankreich, Irland oder Großbritannien. Oder mit den Palazzi in Italien. Auch nicht übel, oder?

 

Aaaber, für ein solches Erlebnis müsst ihr gar nicht mal so weit fahren. Denn auch in Deutschland gibt es feine Schlosshotels. Eines, das uns auf unserer Reise an die Mosel begegnete, ist das tolle Schloss Lieser in der Nähe von Bernkastel-Kues. Oh ja, ein richtiges, echtes, wahres Schloss!

 

Das Schloss Lieser wurde im 19. Jh als Privatresidenz für den erfolgreichen Unternehmer Eduard Puricelli erbaut. Natürlich standesgemäß, am Ufer des Mosel mit herrlichem Blick auf die Weinberge. Eine Zeitlang stand es leer und wurde dann in unglaublichen zehn Jahren renoviert und als Hotel umgebaut. Wir müssen zugeben, der Aufwand hat sich gelohnt.
 
Schloss Lieser bietet alles, was ein klasse Hotel haben sollte. 49 edle Zimmer und Suiten verleihen diesem Haus einen persönlichen Charakter. Natürlich gibte es ein feines Restaurant und einen enspannten Spa mit Schwimmbad. Hab‘ ich was vergessen? Ach ja, ein sehr nettes Team, das sich herzlich um euch als Gäste kümmert.

2. Eintauchen in die Unterwelt: Mosel-Wein-Nachts-Markt

Weihnachtsmärkte gibt es viele. Das hat Tradition in Deutschland. Ok, nicht nur hier, aber wir sind da schon ziemlich weit vorne – so traditionsmäßig. Helfen tut da oft ein passendes mittelalterliches Fachwerkambiente.

Ganz ohne Fachwerk kommt ein sehr spezieller Weihnachtsmarkt aus: der Mosel-Wein-Nachts-Markt in Traben-Trarbach. Der findet nämlich in der Traben-Trarbacher Unterwelt, genauer gesagt, den Weinkellern statt, die sich wie ein großes Netz unter dem Ort ausbreiten. Und klar, in einem Weinstädtchen dreht sich alles um den vergorenen Rebensaft.

 

Der Markt ist extrem beliebt und übrigens auf dem besten Weg sich eine Tradition zu erarbeiten. Denn letztes Jahr wollten sie hier eigentlich 10-jähriges Bestehen feiern. Tja, das ist leider Corona zum Opfer gefallen. Doch alle hoffen darauf, dass es in diesem Jahr klappt mit dem Jubiläum.

 


Natürlich findet ihr hier alles, was einen „normalen“ Weihnachtsmarkt ausmacht: Glühwein, was gegen den Hunger, Kunsthandwerk und Weihnachtsdeko. Geplant ist das Ganze – damit es sich auch lohnt – an ausgewählten Tagen von Mitte November 2021 bis Anfang Januar 2022. Ein bisschen was findet übrigens auch oberirdisch statt, z.B. eine Eislaufbahn. Aber entdeckt den Mosel-Wein-Nachts-Markt doch einfach selbst!

Traben-Trarbach an der Mosel Bild: My own Travel
Traben-Trarbach

Das Weinstädtchen Traben-Trarbach könnt ihr natürlich auch außerhalb der Weihnachtszeit besuchen. Es liegt idyllisch an einer besonders engen Moselschleife. Die beiden Ortsteile Traben und Trarbach werden vom Fluss getrennt und sind nur durch eine Brücke verbunden. Ach ja: es gibt die Trabener und die Trarbacher. Das ist den Leuten hier sehr wichtig. Und das wird wohl immer so bleiben.

 

Hoch über Trarbach wacht die Ruine der Grevenburg über die Region. Die mittelalterlichen Bauten wurden größtenteils im 18. und 19. Jh. von Bränden vernichtet. Dafür hat sich der zur Zeit der Jahrhundertwende zum 20. Jh. aktuelle Jugendstil durchgesetzt und bestimmt reizvoll das Stadtbild.

 

Wer also Jugenstil liebt, oder zumindest interessant findet, sieht hier an jeder Ecke alte Häuser aus der Belle Epoche. Jugendstilbauten wechseln sich ab mit barocken und klassizistischen Häusern. Ihr findet aber auch die typisch moselländische Architektur.

 

3. Architektur-Highlight an der Saar: Weingut Van Volxem

Kubischer Bau aus Muschelkalk und großen Panoramafenstern - Weingut van Volxem - Bild: My own Travel
Weingut van Volxem

Architektonische Hingucker sucht man bei deutschen Weingütern meist vergeblich. Wer schon einmal die Weingegend von Napa Valley besucht hat, weiß wovon ich spreche. Da wimmelt es nur so von futuristischen Gebäuden, in denen sich Winzer selbst verwirklicht haben. Eine Ausnahme macht bei uns das bekannte Weingut Van Volxem an der Saar - seit Mitte 2019.

 

Umrahmt von Weinbergen fügt sich der moderne kubisch Bau aus warmem Muschelkalk, "Monolith" genannt, in die sanfte Landschaft am Wiltinger Schlossberg. Eine Besucherterrasse trennt den Kubus von den ebenfalls aus Naturstein errichteten Anbauten. Dabei reiht sich Van Volxem ganz in die Tradition der großen Winzer früherer Jahre ein. Was damals als mondäne Gründerzeitvillen daherkam, trägt heute modernes Gewand.

 

Die italienischen Top-Architekten haben ganze Arbeit geleistet. Im Erdgeschoss findet der Besucher einen stylischen Verkostungsraum mit großem Fenster. Natürlich mit Blick auf die Weingärten. Faszinierend ist der komplett verglaste Panoramasaal im ersten Stock. Wenig überraschend, der Name ist Programm: Der Panoramablick ist erste Sahne! Hier geben sich übrigens gerne Sterneköche die Klinke in die Hand, um bei Kochevents die Gaumen der anspruchsvollen Gäste zu verwöhnen.

 

Empfehlenswert ist auf jeden Fall eine Tour durch das Weingut. Hier lernt ihr zum einen alles was man als Hobbyweintrinker über feinen deutschen Wein wissen sollte (mit dem einen oder anderen Ausflug in die Geschichte, ich sage nur Römer und so…). Zum anderen werdet ihr durch den futuristischen Fasskeller geführt.

 

Ach so, nicht zu vergessen: Der Wein ist ebenfalls hervorragend! Der Winzer mit dem unaussprechlichsten Namen Deutschlands, Roman Niewodniczanski, legt kompromisslosen Wert auf höchste Qualität. Hier wird noch von Hand gelesen und auch die durchdachte, nachhaltige Produktionskette trägt zum hohen Standard der Weine bei. Die kargen Schieferböden der anspruchsvollen Steillagen erfordern in allen Arbeitsschritten der Weinherstellung hohe Präzision. Das Ergebnis: elegante und tiefgründige Weine. Kein Wunder also, dass die Weine von Van Volxem national wie international großes Ansehen genießen und immer wieder renommierte Preise abräumen.

4. Deutschlands liebste Rebsorte: Der Riesling

Weingut Schreiber Die Barfusswinzer Rebstock mit Weinflasche
©Weingut Schreiber

Der Riesling ist DAS Aushängeschild für deutschen Wein und eine in Deutschland sehr bekannte Traubensorte. Sie wird in allen deutschen Weinanbaugebieten kultiviert. Nicht umsonst kommt ca. 45% der weltweiten Produktion an Riesling-Weinen aus Deutschland. Besonders prächtig gedeiht er auf den Schieferböden an den Steilhängen von Rhein und Mosel. Hier kriegt er genügend Sonne. Klar, durch den günstigen Winkel, in dem die Sonnenstrahlen auf den Berg treffen.

 

Gerade im Herbst in der Zeit kurz vor der Lese kann das ganz entscheidend sein für die Qualität des Jahrgangs. Denn der Riesling braucht in unseren Breiten viel Zeit zum Reifen, damit die kleinen Trauben eine wunderbare Balance zwischen der für den Riesling typischen Säure und Frucht entwickeln können.

 

Ach ja, der gute Riesling macht es sich nicht leicht. Er will gefordert werden, liebt steinige, mageren Böden und Trockenheit. Dann ist er in seinem Element! Und er setzt die charakteristischen Eingeschaften des Terroirs, also des Bodens, um wie keine andere Traube. Ihr könnt also echt schmecken, ob ein Riesling auf Schiefer oder auf sandigem Boden gewachsen ist. 

 

Wie Riesling schmeckt? Genau das ist, finde ich, das Spannende am Riesling. Es gibt nicht DEN charakteristischen Geschmack. Selbst die Säure, die dem Riesling immer wieder anhaftet - und manchen sogar abschreckt - kann im Mund (und im Magen!) durchaus sehr ausgewogen und angenehm rüberkommen. Auch, wenn der Riesling oft mit Apfel- und Pfirsicharomen verbunden wird. Die Palett ist viel weitreichender: von mineralisch, erdig, blumig, fruchtig bis hin zu teerig (ja, auch das kann schmecken!). Oh, und achtet doch mal auf feine Honig- und Marzipannoten.

 

Macht euch am besten selbst ein Bild. Probiert euch auf eurer Weinreise in die deutschen Weinberge quer durch die Keller der verschiedenen Weingüter. In den allerallermeisten könnt ihr die Weine verkosten. Interessant sind Führungen durch die Fasskeller und in die Weinberge - und natürlich Weinproben!  Hier lernt ihr noch mehr über den Weinbau, die Region, die Tradition und die Philosophie der einzelnen Winzer. Viele bieten inzwischen übrigens - Corona-bedingt - Picknick im Weinberg an. Ihr werdet merken, was für eine Vielfalt es gibt und bestimmt findet ihr euren ganz persönlichen Lieblingswein. Pssst: es muss nicht unbedingt immer Riesling sein...

 

Schlaumeier-Wissen am Rande: Wusstet ihr, dass Scheurebe und Traminer Kreuzungen aus Riesling sind, wohingegen der Welschriesling gar nix mit Riesling zu tun hat?

Moselschleife bei Bremm am Calmont Bild: My own Travel
Moselschleife bei Bremm

5. Spektakuläre Wanderung über den Mosel Weinsteig am Calmont

Mosel Weinsteig am Calmont Bild: My own Travel
Mosel Weinsteig am Calmont

Wenn ihr mal ein richtiges Gefühl für die steilsten Weinlagen der Welt bekommen möchtet, empfehlen wir euch eine Wanderung durch die Weinberge am Calmont. Die Aussicht auf die Moselschleife ist grandios. Und danach trinkt ihr euren Moselriesling garantiert mit einem noch größeren Respekt!

 

Im kleinen Ort Bremm könnt ihr gleich am Zugang zum Weinsteig parken. Von dort aus geht es dann mehr oder weniger gemütlich immer am Hang entlang. Auf 200-300 Höhenmetern stets mit Blick auf die Weinreben und - na klar - die Mosel. Je weiter wir laufen, desto öfter fragen wir uns: Wie zum Henker kann man hier einen Weinberg pflegen, geschweige denn ernten? Wir entdecken zwischen den Reben Schienen, auf Stelzen, die sich die halsbrecherisch steilen Hänge hinaufschlängeln. Nur mit Hilfe dieser Monoracks, also Einschienenbahnen, können die Winzer ihre Weinberge überhaupt bewirtschaften. Trotzdem extrem aufwändig. Und logisch - mit viel Handarbeit.

 

Ein bisschen Schmalz in den Waden ist von Vorteil bei dieser Wanderung. Im Sommer macht der gute Calmont überdies seinem Namen alle Ehre. Übersetzt heißt er nämlich so viel wie "heißer Berg". Wenn ihr weiter oben gelesen habt, warum der Riesling so gut an Steillagen gedeiht, tja also, auf jeden Fall genügend zum Trinken mitnehmen. Ihr könnt übrigens auch nur ein Stück auf dem Weg gehen, um einen Eindruck zu bekommen. Zwischendrin sorgt ein Klettersteig für Abwechslung. Aber keine Angst, ihr braucht dafür keine Klettersteigausrüstung, das Ganze ist recht entschärft. Gute Schuhe sind trotzdem empfehlenswert. Wer mag, kann einen Abstecher zum Gipfelkreuz des Calmont unternehmen. Dorthin kommt ihr aber auch, wenn ihr mit dem Auto zum Parkplatz am Plateau fahrt. Von dort aus lauft ihr ca. 20 Min. zum Aussichtspunkt.

 

Na, dann viel Spaß auf eurer Gourmet-Tour durch Deuschlands Weinregionen! Als Inspiration könnte euch unsere Rundreise dienen: